von Joachim Galow
Aikido ist eine Bewegungskunst. Aikido ist Kommunikation.
Im Aikido werden die Elemente des Kampfes zu den Elementen einer Sprache der Körper. Man könnte also sagen: Wir kommunizieren im Aikido mit unseren Bewegungen.
Wer Glück hat, trifft einen Uke oder Nage, der mit einem in dieser Bewegungssprache sprechen will. Wer noch größeres Glück hat, trifft einen Uke oder Nage, der einen mittels dieser Sprache kennenlernen möchte.
Innerhalb des vorgegebenen Rahmens von Aikido-Techniken zeigen Uke und Nage exemplarisch, wie Aggression (nicht der Aggressor) neutralisiert wird. Sie realisieren Begegnungen von Ki. In den gemeinsamen Bewegungen werden sowohl der Sinn der Kampftechniken als auch deren Transformation in Kommunikation deutlich.
In Aikidoprüfungen zeigen Nage und Uke den Grad ihres Verständnisses dieses Anspruchs und ihre Kompetenz, im Verlauf der vorgegebenen Techniken mit Ki zu kommunizeren.
Der erste Teil einer Aikidoprüfung ist vergleichbar mit einer musikalischen Aufführung nach Noten: Eine Anzahl von Tzuzukiwaza und Kata werden vorgeführt. So wie in einem Konzert werden die notierten Vorgaben in der Gegenwart lebendig. Die Ausführenden realisieren die Vorgaben, aber sie interpretieren sie auch in gewissem Maße im Rahmen ihres Verständnisses, ihrer körperlichen Möglichkeiten und der sich spontan ergebenden Situation. Dabei wird u.a. die internalisierte Bewegungskompetenz der Ausführenden deutlich. Insgesamt verläuft dieser Prüfungsteil nach einem festgelegten Plan.
Was aber geschieht im Randori Yonnin Gake?
Wenn der erste Teil der Prüfung strukturell als ein Ki-Konzert nach Noten verstanden werden kann, dann ist Randori eine Ki-Improvisation mit 5 Teilnehmern. Man könnte sogar sagen: Wird in den Tsuzuki Waza in erster Linie Nage geprüft, dann sind es im Randori eigentlich auch die 4 Uke.
Manchmal wird das vergessen. Dann wird Randori zum „Fangenspiel“ und gleicht einer Schulhof-Rangelei. Das zeigt sich z.B. seitens der Uke als ungeschützter Angriff, blindes Festklammern oder gutgemeinte „Schwalbe“.
Dabei liegt im Randori die eigentliche Essenz des Aikido als Bewegungskunst: Die Kommunikation mit Ki in der Bewegung. Beide, Nage wie Uke, sollten im Randori die kurzen, vergänglichen Momente der Begegnung mit Ki suchen. Randori kann so zum improvisierten Ki-Feuerwerk werden, das alle 5 gemeinsam zelebrieren. So wird Randori im anzustrebenden Idealfall zur Kunstform: schnell, lebendig und harmonisch.